Schloss Neugebäude

 

 

Das Neugebäude - ein Renaissance-Schloss in Wien

Zusammenfassung

Das Neugebäude in Simmering stellt eine der bedeutendsten Renaissanceanlagen Europas nördlich der Alpen dar.

Zwei Gutachterverfahren, die im Auftrag der Stadt Wien in den Jahren 1987-89 durchgeführt wurden, haben die komplizierte Entstehungsgeschichte des Schlosses erstmals mehr oder minder lückenlos aufgeklärt. Als Vorgängerbau von Schloss Schönbrunn, für dessen Park auch wesentliche Teile des Neugebäudes - zum Beispiel für den Bau der Gloriette - verwendet wurden, zählt das Neugebäude zu einem der herausragendsten Geschichtsdenkmäler Wiens.

Trotz der regionalen und überregionalen Bedeutung verschlechterte sich der Bauzustand des Schlosses in den letzten Jahren geradezu dramatisch. Regen und Schnee drangen über die schadhaften Dächer durch die offenen Fensteröffnungen fast ungehindert in das Innere der Gebäude ein. Die Gefahr, dass wertvolle Bausubstanz des 16. Jahrhunderts in Verlust gerät, war augenscheinlich gegeben.

Ursache für den Verfall war vor allem der Mangel einer adäquaten Nutzung. Seit dem Auszug des Militärs im Jahre 1918 diente das Neugebäude nur mehr untergeordneten Nutzungen, die der Bausubstanz mehr schadeten als nutzten. Seit etwa 1990 standen die Räumlichkeiten überhaupt leer.

Erst mit Anfang des 21. Jahrhunderts begann auch für das Neugebäude ein neues Zeitalter: Am 14. Dezember 2000 beschloss der Wiener Gemeinderat einstimmig die Gründung des "Vereins zur Erhaltung und Revitalisierung des Schlosses Neugebäude". Gleichzeitig mit der Gründung erhielt der Verein eine Dotierung von ca. 4,87 Mio. Euro aus Mitteln der Stadt Wien und der Wiener Altstadterhaltungsfonds schoss weitere 50.000,-- Euro als einen ersten Beitrag für die Erhaltungsarbeiten zu. Weitere Einnahmen - wenngleich zunächst nur in vergleichbar geringem Ausmaß - rekrutieren sich aus den Sommerspielen und den laufenden Führungen.

Unmittelbar nach seiner Gründung begann der Verein sowohl mit den Erhaltungsmaßnahmen als auch mit der Nutzungssuche.

Heute, drei Jahre nach der Gründung, sind die Erfolge der Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen bereits augenscheinlich. Als Zielstellung wurde formuliert, nur jene Sanierungen durchzuführen, die auf jeden Fall - egal welcher Nutzung die Anlage einmal unterliegen wird - notwendig sind. Einerseits soll dadurch der verlorene Aufwand bei einer Fremdnutzung verhindert bzw. minimiert werden, andererseits können die Arbeiten, die durchgeführt werden, aber auch in einer definitiven Form und in einer Qualität erfolgen, die dem wertvollen, historischen Baubestand entspricht.

Aus denkmalpflegerisch-wissenschaftlicher Sicht wird bei allen Planungen vom historisch gewachsenen Zustand ausgegangen. Das Neugebäude ist in diesem Sinn als ein "historisches Dokument" - gleichsam wie eine Urkunde - anzusehen, das nicht verfälscht werden darf.

Große Rekonstruktionen wird es daher in Zukunft sicher nicht geben und neue Eingriffe werden auf das funktionell Notwendige in einer zeitgemäßen Formensprache zu beschränken sein.

Die wesentlich schwierigere Aufgabe für den Verein ist zweifellos die Suche nach einer definitiven Nutzung.

Die 2002 und 2003 durchgeführten Sommerspiele sind (zumindest in dieser Form) daher nur als interimistische Lösungen anzusehen. Mit insgesamt ca. zwanzigtausend Besuchern in zwei Jahren (also insgesamt nur vier Monaten!) haben die Veranstaltungen aber zweifellos das große Interesse der Wienerinnen und Wiener zu "ihrem" Schloss Neugebäude unter Beweis gestellt.

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